Irische Silvesterbräuche
Irland hat eine Reihe eigener Bräuche zum Jahreswechsel — manche werden noch gelebt, andere sind Folklore, die man kennt, ohne sie zu praktizieren. Weil im Netz beides regelmäßig durcheinandergeht, steht bei jedem Brauch dabei, was ihr in Dublin tatsächlich erlebt.
Brot gegen die Wand
Der bekannteste irische Silvesterbrauch: In der Silvesternacht wird ein Laib Brot — traditionell Christmas Barmbrack — gegen die Wände und Türen des Hauses geschlagen. Der Brauch soll Unglück und böse Geister vertreiben und dafür sorgen, dass im kommenden Jahr genug zu essen im Haus ist.
Heute: Folklore. Ihr werdet es in Dublin nicht erleben, aber jeder Ire kennt die Geschichte.
Oíche na Coda Móire
Der Silvesterabend hieß auf Irisch „die Nacht der großen Portion“. Dahinter steht der Gedanke, dass ein üppiges Essen am letzten Abend des Jahres ein Jahr des Überflusses nach sich zieht. Wer an Silvester großzügig auftischt, sichert das kommende Jahr ab.
Heute: Lebt weiter, wenn auch ohne den Namen — im Gala-Dinner, im vollen Pub-Teller, im ausgiebigen Abendessen. → Silvester-Dinner in Dublin
Das Haus putzen
Vor dem Jahreswechsel wird das Haus gründlich gereinigt: Das alte Jahr soll nichts ins neue mitnehmen. Asche wurde ausgeräumt, Schulden nach Möglichkeit beglichen.
Heute: In abgeschwächter Form verbreitet, ähnlich wie anderswo in Europa.
Der erste Besucher im neuen Jahr
Wer nach Mitternacht als Erster über die Schwelle tritt, bestimmt das Glück des Hauses. Traditionell soll es ein dunkelhaariger Mann sein, der etwas mitbringt — Brot, Kohle oder ein Getränk. Der Brauch ist in Schottland als „First Footing“ bekannter, existiert aber auch in Irland.
Heute: Regional noch bekannt, in Dublin praktisch verschwunden.
Eine Kerze im Fenster
Der stillste der irischen Bräuche: Für Verstorbene wird eine Kerze ins Fenster gestellt oder ein Platz am Tisch frei gelassen. Manche Familien lassen zusätzlich die Tür unverschlossen. Der Jahreswechsel gilt als Moment, in dem die Grenze zwischen den Welten dünner ist — ein Gedanke, der bis in vorchristliche Zeit zurückreicht.
Heute: In Familien noch gelebt, besonders in ländlichen Gegenden.
Der Wind zeigt das Jahr an
Alte Wetterregel: Weht der Wind zu Neujahr aus dem Westen, wird das Jahr gut; kommt er aus dem Osten, bringt es Schwierigkeiten.
Heute: Reine Folklore — und statistisch praktisch, denn in Irland weht der Wind fast immer aus Westen. → Wetter in Dublin an Silvester
Das Neujahrsschwimmen
Der lebendigste Brauch von allen, und einer, den ihr in Dublin tatsächlich sehen könnt: Am Neujahrsmorgen gehen Hunderte Menschen an der Küste ins Wasser — in Dublin traditionell am Forty Foot in Sandycove, unweit von Dún Laoghaire. Viele Teilnehmer sammeln dabei Spenden für wohltätige Zwecke.
Heute: Sehr lebendig, gut zu beobachten, freiwillig mitzumachen. Das Wasser hat im Januar rund 8 bis 10 °C. → Neujahr in Dublin

Auld Lang Syne
Das Lied, das um Mitternacht gesungen wird, ist schottischen Ursprungs und geht auf Robert Burns zurück — gesungen wird es in Irland trotzdem, in Pubs, auf Partys und beim Countdown Concert.
Was ihr in Dublin wirklich erlebt
Der ehrliche Befund: Der gelebte irische Silvesterbrauch ist der Pub. Livemusik, volle Räume, Fremde, die euch ansprechen, ein Countdown, den alle gemeinsam mitzählen, und danach das Lied. Die alten Bräuche sind Erzählstoff — schön zu kennen, aber der Abend selbst gehört der Musik und den Menschen. → Temple Bar und die Pubs
Häufige Fragen
Zuletzt geprüft: 15.08.2026.